Das zweite Leben der Volleyball-Stars

Die Spielerinnen des Schweriner SC haben zwischen Training und Spielen alles andere als viel Freizeit

 

Eine Maschinenbauingenieurin, eine angehende Logistikexpertin, eine zukünftige Physiotherapeutin, eine Beamtin, eine Abiturientin – was könnte die schon miteinander verbinden? Viel, wenn sie wie Ariel Turner, Anja Brandt, Tanja Joachim, Janine Völker und Marie Holstein alle gemeinsam im Trikot des Schweriner SC auf Titeljagd gehen. Während den meisten Menschen mit einem Job, Studium oder Schule schon nicht langweilig wird, bringen viele Volleyballerinnen des SSC nämlich gleich zwei Leben unter einen Hut.

Die Jüngeren im Kader wuppen neben ihren Doppeleinsätzen beim VCO und in der ersten Liga, neben Training, Spielen und Reisen das Sportgymnasium. Die etwas älteren Profis studier(t)en, machen eine Ausbildung oder haben einen Job wie Libero Steffi Golla bei einer Krankenversicherung. Das braucht Disziplin – und eine dezidierte Zeitplanung, denn jede Minute will gut genutzt sein. „Ich versuche, beim Frühtraining dabei zu sein, dann geht es in die Schule, dann zum Abendtraining“, erzählt Tanja Joachim. Die Zuspielerin wird im Sommer ihren Abschluss als Physiotherapeutin machen. „Das funktioniert ganz gut, das Lernen fällt mir leicht, auch weil es mein Traumberuf ist.“

Dass für ganz profane Dinge wie essen, ausruhen, einkaufen und Haushalt oder auch für Freunde wenig Luft bleibt, nehmen die Volleyballerinnen für ihre Leidenschaft in Kauf, Jammern hört man von keiner. „Klar ist das schon sehr stressig“, sagt Mittelblockerin Anja Brandt, die auf ihren Bachelor-Abschluss gerade einen Master in digitaler Logistik aufsattelt. „Letztes Semester standen viele Prüfungen an, da musste es mit dem Lernen praktisch immer und überall gehen, im Bus, auf dem Flughafen, im Flugzeug, im Hotelzimmer. Aber es macht auch viel Spaß, und es tut sogar gut, weil es zwischen Lernen und Sport, Körper und Kopf eine Balance gibt, das eine vom anderen ablenkt und man auch mal andere Leute trifft.“

Die Trainingspläne des SSC sind angesichts der Herausforderung, diverse Schul- und Arbeitszeiten zu vereinbaren, eine organisatorische Meisterleistung. Und es geht nicht ohne verständnisvolle Ausbilder und Arbeitgeber, die Ausnahmen machen, unbürokratische Urlaubsregelungen, flexible Arbeitszeiten und Prüfungsverschiebungen ermöglichen, damit der SSC auf seine Stars zählen kann. Die wissen das wohl zu schätzen. „An der Uni sind alle sehr hilfsbereit und kooperativ. Meine Professoren finden gut, dass ich beim SSC spiele“, bestätigt Anja Brandt.

 

kawi

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