Ein erfolgreicher Gewichtheber aus Schwerin

Marco Spanehl über seine aktive Zeit und aktuelle Wettkämpfe…


Kürzlich zu Ende gegangen sind die diesjährigen Europameisterschaften im Gewichtheben in Tbilissi, die eine wichtige Standortbestimmung für die WM im Herbst in Houston bzw. die kommenden Olympischen Spiele 2016 in Rio waren. Zwar waren Mecklenburgerinnen und Mecklenburger leider nicht aktiv dabei, dennoch hat das Gewichtheben auch hierzulande eine sportliche Tradition. So erkämpften Schwerathleten aus Stralsund, Barth, Rostock oder Schwerin in der Vergangenheit so manche Medaille bei nationalen und internationalen Wettkämpfen. Beispiel: der für den Berliner TSC antretende, gebürtige Schweriner Marco Spanehl, Jahrgang 1967.

Spanehl wurde, im Zweikampf, 1989 EM-Vierter, 1990 EM-Fünfter, 1990 WM-Sechster und 1994 EM-Sechster. 1992 erkämpfte er sich EM-Bronze im Stoßen und nahm im selben Jahr an den Olympischen Spielen in Barcelona teil. Dort wurde er Dreizehnter im Federgewicht, in dem seinerzeit Naim Süleymanoglu (Türkei) gewann. In der spanischen Millionenstadt bestimmten damals insbesondere die Heber aus der GUS das sportliche Niveau (5 x Gold, 4 x Silber). Die deutschen Gewichtheber erkämpften indes einmal Gold (Ronny Weller in der Gewichtsklasse bis 110 Kilogramm) sowie zweimal Bronze (Andreas Behm aus Stralsund in der Gewichtsklasse bis 67,5 Kilogramm und Manfred Nerlinger in der Gewichtsklasse über 110 Kilogramm).

Heute ist Marco Spanehl für den Landessportbund Berlin tätig. Wir haben den gebürtigen Schweriner gefragt: zur kürzlichen EM, zur kommenden WM, und zum allgemeinen Stellenwert des Gewichthebens.

„Olympia 1992 war das sportlich Größte für mich…“

Frage: Die EM ist vorbei. Wie lautet Ihr Resümee aus deutschem und internationalem Blickwinkel?

Marco Spanehl: Der deutsche Gewichtheber-Verband entsandte ja nur ein Mini-Team von zwei Gewichtheberinnen, Julia Schwarzbach sowie Nina Schroth, und einem Gewichtheber, Almir Velagic, nach Tbilissi. Für Bundestrainer Oliver Caruso und natürlich die Athletinnen und Athleten selbst stehen ganz klar die Weltmeisterschaften im November in Houston im Vordergrund, weil dort die Plätze für die Olympischen Spiele 2016 vergeben werden.

Für Julia (Gewichtsklasse bis 53 Kilogramm) lief es ja mit Silber im Zweikampf ausgezeichnet. Aber auch Nina (Gewichtsklasse bis 75 Kilogramm) und Almir (Gewichtsklasse über 105 Kilogramm) können sehr zufrieden sein. Nina präsentierte sich in guter Form, stellte Bestleistungen auf und hat berechtigte Ambitionen, sich international weiter zu profilieren. Für sie sind derartige Meisterschaften dazu hilfreiche Aufbau-Wettkämpfe. Almir, wenn er auch zunächst etwas enttäuscht war, kann mit seinen EM-Resultaten ebenfalls sehr zufrieden sein. Platz vier im Zweikampf ist ein klasse Resultat, dazu eine Bestleistung im Reißen!

Ansonsten wurde das Niveau von den Heberinnen und Hebern aus den Ländern der früheren UdSSR maßgeblich bestimmt, wenngleich die Athletinnen bzw. Athleten aus Westeuropa (Spanien, Frankreich, Italien) einige hervorragende Platzierungen erreichten. Mit Blickrichtung WM wird es bestimmt nicht weniger anspruchsvoll – im Gegenteil, denn in den leichteren Gewichtsklassen kommt die Konkurrenz aus Asien (Nordkorea, Südkorea, China, Japan) und in den höheren Gewichtsklassen ebenfalls aus Asien (Iran) und eventuell Nordamerika hinzu.

Frage: Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Gewichthebens in Deutschland?

Marco Spanehl: Hierzulande konzentrieren wir uns vor allem auf die höheren Gewichtsklassen. Das ist schon notwendig – angesichts der starken Konkurrenz aus Asien. Insbesondere in den unteren Gewichtsklassen ist die Konkurrenz aus China oder Korea nahezu übermächtig. Da ist die Lage in den höheren Gewichtsklassen schon etwas besser, was nicht heißt, dass es dort „leicht“ ist, Edelmetall zu erkämpfen…

Ich, als früherer Federgewichtler, bedauere natürlich, dass die unteren Gewichtsklassen in Deutschland etwas „außen vor“ bleiben, aber letztendlich kann ich diese Spezialisierung auch nachvollziehen.

Frage: Was sagen Sie zum Stellenwert des Gewichthebens in Deutschland und zur Problematik der Talente-Förderung?

Marco Spanehl: Dank der Live-Übertragungen der EM- und WM-Wettkämpfe beim Sportkanal „Eurosport“ bleibt das Gewichtheben präsent und hat in Deutschland viele Fans und Interessierte. Die Athletinnen und Athleten haben so die Möglichkeit, ihre Leistungsfähigkeit einem großen Publikum zu zeigen. Das spornt beim Training zusätzlich an, denn nichts ist schlimmer, als Medien-Abstinenz…

Hilfreich ist zudem, dass im Rahmen der „Bewegung des funktionalen Training“ das Gewichtheben ebenfalls ein wichtiger Bestandteil ist. Die Generation zwischen 25 Jahren und 40 Jahren hat sich dieser Bewegung verschrieben und übt die Teilbereiche des Gewichthebens mit Begeisterung aus. Wer im etwas „reiferen“ Alter ein positives Verhältnis zum Gewichtheben entwickelt, empfiehlt diese Sportart auch seinem Nachwuchs, was natürlich ganz notwendig bei der Nachwuchs-Gewinnung ist.
Sicher, Gewichtheben war und ist eine Randsportart. Das birgt aber auch Chancen, weil die Gewichtheberinnen und Gewichtheber eine ziemlich bodenständige Truppe sind und zudem nahe am Publikum!

Frage: Welche Erinnerungen haben Sie an Ihren olympischen Wettkampf?

Marco Spanehl: Barcelona 1992 war das sportlich Größte in meiner Laufbahn. Es waren einzigartige Erlebnisse vor Ort für mich… Das harte Training in den vielen Jahren hatte sich dank der olympischen Teilnahme für mich gelohnt. Ich war damit auch sportlich so richtig angekommen. Olympia – das ist ganz einfach etwas Einmaliges!

Frage: Haben Sie noch Kontakt zu Ihrer Geburtsstadt Schwerin bzw. zu M-V allgemein?

Marco Spanehl: Na klar! Meine Eltern wohnen in Schwerin und ich bin immer wieder gern und regelmäßig in M-V. Ich angele leidenschaftlich gern und der „Dümmer See“, 20 Kilometer von Schwerin, ist meine „zweite Heimat“. Ansonsten arbeite ich hauptberuflich für den Landessportbund Berlin.

Vielen Dank
Die Fragen stellte Marko Michels

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