Mordanschlag nur erfunden?

Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen Nachwuchspolitiker Julian Kinzel eingeleitet

 

In der vergangenen Woche sorgte der mutmaßliche Messerangriff in Wismar auf das Kreisvorstandsmitglied der Schweriner Linken, Julian Kinzel, für Aufmerksamkeit. Zum Tathergang, laut Pressemitteilung der Partei Die Linke sei Kinzel von drei rechtsradikalen Gewalttätern attackiert worden, gab es aber schon kurze Zeit später begründete Zweifel. So berichtete der NDR am Freitag von Bedenken hinsichtlich der Art und Weise der Schnittverletzungen des 18-jährigen Jungpolitikers. Auch die Tatsache, dass das (wohlgemerkt nich schwer verletzte) Opfer erst einen Tag später Anzeige bei der Polizei, und das auch nur über die Internet-Wache, erstattete, sorgte für Verwunderung.

 

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mutmaßliches Opfer

Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Staatsschutz haben nun zu einem ersten Ergebnis geführt. Jedoch keines, dass den Geschädigten zugutekommt. Wie Pressesprecher Stefan Urbanek mitteilte, seien die Ermittlungsbehörden zu der Auffassung gekommen, dass Kinzel den Überfall lediglich erfunden hat. Dies ergab ein Gutachten des zuständigen Rechtsmediziners. Dieser hatte die Verletzungen des Anzeigeerstatters untersucht und mit der am Tatort vorgenommenen Rekonstruktion des Vorfalles verglichen. Danach sei die Art der Verletzungen nicht mit dem behaupteten Verlauf des Überfalles in Übereinstimmung zu bringen. Die Schnittwunden habe sich Kinzel indes wahrscheinlich selbst beigebracht, heißt es.
Ein weiteres Indiz: Das Mitglied der Linksjugend sei nicht in der Lage gewesen, den bei dem vermeintlichen Überfall beschädigten Mantel bei der Polizei vorzulegen. „Nach seinen Angaben sei ihm der getragene Mantel kurz nach dem Vorfall entwendet worden“, so Staatsanwalt Urbanek.

In der Folge hat die Staatsanwaltschaft am heutigen Montag ein Ermittlungsverfahren gegen Julian Kinzel wegen des Verdachts der Vortäuschung einer Straftat eingeleitet. Bei einer Verurteilung muss der 18-Jährige mit einer Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder mit einer Geldstrafe rechnen.

 

Partei bei Verurteilung Kinzels immens geschädigt – Landtagswahl gelaufen?

Während die politische Karriere Kinzels damit gelaufen sein sollte, ist der angerichtete Schaden für Partei noch gar nicht abschätzbar – immerhin sind 2016 Landtagswahlen. Nicht nur, dass es ein gefundenes Fressen für die Rechtsextremen und ihr antidemokratisches und pressefeindliches Weltbild sein wird. Immerhin wurde ja ihnen die Tat angelastet. Auch einzelne Linkspolitiker geraten damit in Erklärungsnot. So haben etwa der Fraktionsvorsitzende der Linken im Deutschen Bundestag, Dr. Dietmar Bartsch, und der Kreisvorsitzender der Schweriner Linken, Peter Brill, den Ausführungen Kinzels Glauben geschenkt und sind damit offensiv an die Presse getreten. Als Beispiel einer „erschreckenden Radikalisierung“ unseres Landes wurde der Fall gewertet. Und sogar als die ersten Zweifeln aufkamen, haben sie das solid-Mitglied noch in Schutz genommen.

 

red

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