NDR Fernsehen zeigt Reportage über Schwerin

„Unter uns – Klein Russland am Schweriner See / Liebesgrüße aus Sibirien“

 

In Mecklenburg-Vorpommern leben fast 4.000 Menschen mit sowjetischen Wurzeln. Die russischsprechende Gemeinde ist die größte des ganzen Landes und mehr als die Hälfte lebt in Schwerin. Viele von ihnen sind jetzt schon 20 Jahre in Deutschland und doch sieht ihr Alltag ganz anders aus, als der ihrer deutschen Nachbarn.

Irina Michaelis, die in der Schweriner Kleiderkammer an syrische Flüchtlinge warme Pullover verteilt, muss dabei immer wieder selbst an ihre ersten Monate in Deutschland denken. Damals war sie gar nicht begeistert, als sie im kalten Nieselregen das erste Mal durch die Plattenbausiedlung Großer Dreesch fuhr. Doch schnell fühlten sich die Schwestern und ihre deutsch-stämmigen Ehemänner wohl in der Stadt, belegten Sprachkurse, machten eine Ausbildung. Ihre Eltern musste Irina in Sibirien zurück lassen. Deshalb schickt sie einmal im Monat ein Paket zu ihrer Mama nach Novosibirsk.

Für Lüdmilla Katuschonak und ihre Tochter Uljana gibt es nichts Wichtigeres als das russisch-orthodoxe Osterfest in der neuen Holz-Basilika mitten in einer Schweriner Plattenbau-Siedlung. Der Glaube ist für die 38jährige ein wichtiger Halt geworden. Die neue Heimat ist ihr in vielen Dingen immer noch suspekt. Vor allem bei den Themen Kindererziehung und musische Förderung kann sie viele deutsche Eltern nicht verstehen. Die alleinerziehende Mutter ist jeden Tag damit beschäftigt, die Talente von Uljana zu verbessern. Die Zehnjährige spielt Klavier, tanzt und will Profi-Geigerin werden. Einmal pro Woche fahren die beiden sogar nach Lübeck, in die Musikhochschule.

Iskandar Shajev aus Usbekistan bewarb sich vor fünf Jahren bei einem Shanty-Chor als Akkordeon-Spieler. Jetzt ist er ihr musikalische Leiter. Nur die deutsche Sprache macht ihm immer noch große Probleme. Zusammen mit seiner Frau hat er auf dem Großen Dreesch einen kleinen, russischen Spezialitäten-Laden eröffnet. Dima, ihr Sohn, bringt die Waren meist vom Hamburger Großmarkt mit. Alle hoffen, dass der Laden ein bisschen Gewinn abwirft, denn mit dem Akkordeonspielen kann der studierte Orchesterdirigent nicht den Unterhalt für die Familie verdienen.

Irina, Lüdmilla, Uljana und Iskandar stehen im Mittelpunkt dieser Reportage. Sie alle haben ganz unterschiedliche tägliche Herausforderungen. Was alle eint ist der Versuch, ein normales Leben zu führen – in einem Land, in dem sie sich oft immer noch als Fremde fühlen.

 

Unter uns – Klein Russland am Schweriner See / Liebesgrüße aus Sibirien. Zu sehen ist die Doku-Reportage am Mittwoch, 20. Januar 2016 um 18.15 Uhr im NDR Fernsehen.

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