Nach Zauberflöte/Sorbas 2009 nun “Macht des Schicksals” 2010
Kaum zu glauben: Gerade wurde auf dem Alten Garten in Schwerin noch mit der “Zauberflöte” vortrefflich musiziert und Gojko Mitic spielte beeindruckend den “Sorbas”, da heißt es schon wieder “Nach den Schlossfestspielen 2009 ist vor den Schlossfestspielen 2010 – mit Verdis `Macht des Schicksals`”.
Das Mecklenburgische Staatstheater stellte nun u.a. den szenischen Raum, das Bühnenbild für die Aufführungen 2010 vor.
Nachgefragt beim Generalmusikdirektor des Mecklenburgischen Staatstheaters Matthias Foremny
„Oper ist ein schonungsloser Spiegel unseres täglichen Lebens …“
Frage: Verdis Oper „Die Macht des Schicksals“ ist vor allem ein Appell an Toleranz, Respekt, Mitmenschlichkeit und Mitgefühl, aber auch ein flammendes Bekenntnis für die Liebe, die Grenzen überwindet. Zusammengefasst geht es um den fundamentalen Standes- und Rassendünkel von Don Carlo di Vargas, dem Sohn einer spanischen Familie aus dem Adel, der die Liebe seiner Schwester Leonora zu Don Alvaro, der aus einem vornehmen Inka-Geschlecht, auf dramatische Art und Weise vernichtet. Ferner kritisierte Verdi in einzelnen Szenen auch den Krieg als Mittel der Politik.
Zurzeit gibt es 53 Kriege und kriegsähnliche Auseinandersetzungen auf der Welt. Auch in Deutschland, in M-V, gibt es Engstirnigkeit, Intoleranz, Mussmut und Fremdenfeindlichkeit. Wie aktuell ist Verdis Oper heute, aus Ihrer persönlichen Sicht ? Was zeichnet Verdis „Die Macht des Schicksals“, 1860 uraufgeführt, aus ?
Matthias Foremny: Oper ist ein schonungsloser Spiegel unseres täglichen Lebens. Wegsehen und Weghören, nicht die wahren Hintergründe erforschen, vorschnelles Handeln, Selbstgerechtigkeit und Ehrenmorde sind die schwarze Seite unseres Daseins. Am Ende der Oper steht das Flehen der Leonora Pace, Pace als hoffnungsvolle Vision. Und Verdis Musik selbst ist es, die uns alle zum Hinhören, Mitfühlen und Hinterfragen bringt. Im Theater wird die Vision Wirklichkeit.
Frage: Friedrich Engels meinte einst, dass jeder seines Glückes eigener Schmied sei. Was meinen Sie – ganz subjektiv – wie groß ist denn nun die „Macht des Schicksals“ für jede Einzelne bzw. jeden Einzelnen ?
Matthias Foremny: Gott sei Dank, können wir nicht alles planen und vorhersagen. Der Zufall, das Schicksal, das Glück spielen uns immer mit, mal zur Enttäuschung mal zum Glück. Wie sähe die Welt aus, wenn wir allein es in den Händen hielten? Wahrscheinlich würde sie nicht mehr existieren. Die Launen der Natur sichern das Überleben.
Frage: Die Schlossfestspiele Schwerin rangieren beim größten Festspielmagazin Europas seit 2007 im internationalen Vergleich auf Platz drei. Bürde oder Anreiz ? Wann beginnen für Sie und die Mecklenbugische Staatskapelle die Vorbereitungen auf die jeweiligen Schlossfestspiele ?
Matthias Foremny: Eher stolzer Anreiz. Wir sind froh, dass wir im Sommer publikumswirksames und erfolgreiches Theater spielen können. Die Staatskapelle beginnt circa. einen Monat vor der Premiere mit den Orchester die Proben. Die Castings und Vorbesprechungen finden aber schon gut anderthalb Jahre vorher statt.
Frage: Der Alte Garten umrahmt vom Staatstheater, vom Staatlichen Museum und vom Schloss ist eine traumhafte Bühne für die Schlossfestspiele. Nun, Anfang Januar 2010, wurde das Modell des „Szenischen Raumes“ vorgestellt. Wie ist Ihre Meinung zum Bühnenbild der Schlossfestspiele 2010 ?
Matthias Foremny: Wir haben wieder den schönsten Opernspielplatz Norddeutschlands, immer mit einer nuanciert anderen Betonung des herrlichen Theater-Museum Schloss Ensembles.
Frage: Die Schlossfestspiele finden vom 25.Juni bis 1.August statt – und haben auch zum Anfang große Konkurrenz etwas außerhalb des Alten Gartens. Vom 11.Juni bis 11.Juli finden die Fußball-WM in Südafrika statt … Nun soll ja Verdi auch ein Fußball-Fan gewesen sein. Darf der ebenso kultur- wie fußballbeflissene Besucher einer Aufführung „Macht des Schicksals“ darauf hoffen, dass er zumindest in der Vorstellungspause über die Ergebnisse der „Fußball-Mächte“ informiert wird ?
Matthias Foremny: „Public viewing“, eine Leinwand ist im szenischen Raum nicht vorgesehen …, aber beim Pausensekt können sicher die Live Ticker mit den neuesten Ergebnissen der „Fußball-Mächte“ diskutiert werden.
Frage: Die Schlossfestspiele Schwerin sind eine künstlerische, logistische und auch körperliche Herausforderung der besonderen Art für Solisten, Musiker oder den Chor. Ist die Stimmung, die Motivation – auch bei den Musikern – immer gleich ? Braucht man nach sechs Wochen „Macht des Schicksals“ erst einmal eine „Phase der Erholung“ ?
Matthias Foremny: Die Motivation ist jedes Jahr sehr groß, weil wir wissen was wir in Mecklenburg-Vorpommern kulturell bewegen. Aber danach braucht jeder von uns Ferien, zumal man nach Vorstellungsende gegen 24.00 kaum in den Schlaf findet.
Letzte Frage: Was erwarten, was erhoffen Sie sich von den Vorstellungen der Schlossfestspiele 2010 ?
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Matthias Foremny: Ich hoffe, dass der Groß-Eventcharakter und das hohe künstlerische Niveau viele Menschen für die Oper begeistern – und, dass wir unser wunderbares Theater in MV ein weiteres Stück unverzichtbar machen
Dann maximale künstlerische Erfolge für die Schlossfestspiele 2010 !
Die Fragen stellte: Marko Michels.
- Nächste Premiere am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin – Oper „Der fliegende Holländer“ von Richard Wagner am 22.Januar 2010 um 19.30 Uhr
Foto 1: Mecklenburgisches Staatstheater
Fotos 2-5: Michels
Tags: Matthias Foremny, Mecklenburgische Staatskapelle, Mecklenburgisches Staatstheater, Schlossfestspiele
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