„Revolution und Theater“ – Rendezvous am 4. Februar

Ein Gespräch mit Joachim John, Dr. Hela Baudis und Sewan Latchinian; moderiert von Christina Katharina May

 

Das Revolutionspanorama des Grafikers Joachim John empfing die Besucher 1989 im Foyer des Mecklenburgischen Staatstheaters. Schauspieldirektor Christoph Schroth hatte die Spielzeit 1988/89 dem Thema 200 Jahre Revolution gewidmet anlässlich des Jubiläumsjahrs der Französischen Revolution. Die 100 Quadratmeter große Leinwand war über die historistische Wandverkleidung gelegt und bot damit ein universales Bildprogramm, das dazu einlud, sich mit Revolutionen und Despotismus auseinanderzusetzen. Mit über achtzig Figuren aus Politik, Literatur, Mythologie und Alltag wurde das Theaterpublikum auf die Aufführungen eingestimmt.

Besonders Schroths Inszenierung des Wilhelm Tell wurde zu einem legendären Ereignis. Im Schweriner Theater, abseits der eigentlichen kulturellen Zentren, wurden energievoll brisante Themen auf die Bühne gebracht. Über diese Besonderheiten des Schweriner Theaters in den 1980er-Jahren und das Potential der Provinz wird Sewan Latchinian berichten.

Johns Panorama zeugt auch von einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Künstler und Theatermacher. Das Thema der Revolution verband auch Theater und Museum, denn Johns Zeichnungen zu den Proben der Spielzeit wurden im Sommer 1989 im Museum ausgestellt, kuratiert von Dr. Hela Baudis. Die Eröffnungsreden hatten es in sich und stellten direkte Bezüge zwischen den Bildmotiven und den aktuellen Tagespolitik her. Der Künstler und die Kuratorin loten diese Elemente des Politischen in der Kunst und ihrer musealen Ausstellung aus.

Die Fragen nach dem Politischen in der Kunst sind angesichts neuer gesellschaftlicher Konflikte nicht mehr die gleichen, doch noch immer aktuell. Die Aufgaben von Kunst und ihre Möglichkeiten, die Region zu bewegen, werden am 4. Februar 2016 um 18 Uhr den Gesprächsteilnehmern und dem Publikum zur Diskussion gestellt. Zu den Gästen im Staatlichen Museum Schwerin zählen Joachim John (Künstler), Dr. Hela Baudis (Kunsthistorikerin) und Sewan Latchinian (Schauspieler, Regisseur und Intendant des Rostocker Volkstheaters). Moderiert wird der Abend von Christina Katharina May.

 

Der Grafiker Joachim John (*1933) ist seit den 1970er Jahren eng mit Christoph Schroth befreundet und kombiniert in seiner Arbeit als Grafiker, aber auch als Autor Zeichnung, Literatur und Theater. Der kritische Blick auf aktuelle Themen und politische Zusammenhänge wirkt dabei in seinen Arbeiten nach. Dr. Hela Baudis, Kunsthistorikerin, leitete 1989 das Kupferstichkabinett am Staatlichen Museum Schwerin und kuratierte die Ausstellung Joachim Johns zu Revolution. Sewan Latchinian (*1961 in Leipzig), seit 2014 Intendant des Rostocker Volkstheaters, kam 1985/1986 als Schauspieler ans Schweriner Theater und arbeitete als Dramaturg mit Schroth zusammen. Seine heutigen Theaterfeste erinnern an die langen Theaterabende Schroths in Schwerin als Theaters des Spektakels.

Der Eintritt kostet 3 Euro.

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