Schweriner Schwimmer mit olympischen Hoffnungen

Carl Louis Schwarz im Interview

 

In sechs Monaten beginnen die olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Mit Blick auf die Schwimm-Wettkämpfe haben wir mit dem Schweriner Kader-Athleten Carl Louis Schwarz, Jahrgang 1995, gesprochen. Der Vize-Junioren-Weltmeister von 2013 (über 50 Meter Rücken) trainiert aktuell beim Potsdamer SV unter seinem Trainer Jörg Hoffmann.

 

„Eine Chance besteht auf jeden Fall…“

Carl Louis Schwarz über seine Olympia-Chancen, die Trainingsbedingungen in Potsdam, seine Kontakte nach Schwerin und das internationale Kräfteverhältnis im Rückenschwimmen der Herren

 

Frage: Im August ruft Rio. Wie beurteilen Sie Ihre Chancen auf eine Olympia-Teilnahme?

Carl Louis Schwarz: Eine Chance besteht auf jeden Fall, auch wenn diese durch eine sehr harte Norm-Zeit, die zu schwimmen ist, und durch die große Konkurrenz im eigenem Land natürlich gering ist. So beträgt die Norm-Zeit über 100 Meter Rücken 53,91 Sekunden, meine Bestzeit liegt hingegen bei 55,00 Sekunden.

Frage: Wie sieht Ihre derzeitige Vorbereitung aus? Welche Qualifikations-Chancen für Rio gibt es noch?

Carl Louis Schwarz: Die erste Qualifikations-Chance über die 100 Meter Rücken sind die Deutschen Meisterschaften in Berlin vom 4. bis 6. Mai. Dort muss ich im Vorlauf eine Norm-Zeit (54,34 Sekunden) schwimmen sowie im Finale auch noch ein weiteres Mal eine Norm-Zeit (53,91 Sekunden) und zusätzlich Erster oder Zweiter sein. Falls ich es nicht schaffe, bin ich „raus“ für Rio. Gelingt es jedoch, so ist es notwendig, dass ich danach bei einem zweiten Wettkampf noch einmal zwei Normen (55,16 Sekunden und 54,73 Sekunden) schwimmen muß – und dann wäre ich bei Olympia.

Frage: Wie sind eigentlich die Bedingungen aktuell in Potsdam? Haben Sie noch regen Kontakt zum PSV Schwerin?

Carl Louis Schwarz: Die Bedingungen sind in Potsdam hervorragend. Alles ist auf einem Gelände – die Schwimmhalle, die Schule und das Internat. … Zum PSV Schwerin habe ich übrigens noch „ab und zu“ Kontakt, wenn ich in Schwerin bin und dort mitunter über das Wochenende trainiere.

Frage: Wie beurteilen Sie das internationale Kräfteverhältnis im Herren-Rückenschwimmen?

Carl Louis Schwarz: Aktuell ist Australien mit Mitch Larkin am stärksten, aber ebenfalls die USA mit Matt Grevers, Ryan Murphy und Co. sind bestens dabei. Auch Frankreich mit Camille Lacourt bzw. Großbritannien mit Chris Walker Hebborn und Liam Tancock haben starke Protagonisten des Rückenschwimmens.

Vielen Dank, dann großes Daumen drücken für die Olympia-Qualifikation und weiterhin viel Spaß beim Schwimmsport!
Die Fragen stellte Marko Michels

 

Wissenswertes:

Olympische Erfolge für deutsche Rückenschwimmerinnen und Rückenschwimmer

Aus deutscher Sicht – Damen und Herren – gab es bislang 11 Olympiasiege im Rückenschwimmen. Bei den Frauen erkämpfte 1976 in Montreal Ulrike Richter (SC Einheit Dresden) jeweils Gold über 100 Meter und 200 Meter Rücken. Rica Reinisch (SC Einheit Dresden) gewann dann 1980 in Moskau ebenfalls jeweils Gold über die 100 Meter und 200 Meter Rücken. In Seoul 1988 errang Kristin Otto (SC DHfK Leipzig) den Olympiasieg über die 100 Meter Rücken.

Bei den Herren konnten deutsche Rückenschwimmer unter den fünf olympischen Ringen bislang sechsmal triumphieren. Im Jahr 1900 in Paris war der Bremer Ernst Hoppenberg der Beste über die 200 Meter Rücken. Acht Jahre später, 1908 in London, jubelte der Magdeburger Arno Bieberstein über den olympischen Erfolg über 100 Meter Rücken.
Jeweils Gold über 100 Meter Rücken und 200 Meter Rücken schaffte Roland Matthes (SC Turbine Erfurt) bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexico-City und 1972 in München. Vier Jahre später, 1976 in Montreal, kam Roland Matthes noch zu Bronze über 100 Meter Rücken.

Olympische Medaillen für die Landeshauptstadt M-V erkämpften bislang die gebürtigen Schwerinerinnen Andrea Pollack und Rosemarie Gabriel, die beide für den SC Dynamo Berlin starteten. Andrea Pollack gewann 3 x Gold, 3 x Silber bei den Spielen 1976 in Montreal und 1980 in Moskau. Rosemarie Gabriel kam zu 1 x Bronze in Montreal.

 

Schwimm-WM in Kazan 2015

Der letzte ganz große internationale Leistungstest vor Rio waren für die Schwimmer vor einem halben Jahr die Weltmeisterschaften in Kazan. Aus deutscher Sicht gab es drei Medaillen: für Marco Koch (Gold über 200 Meter Brust) sowie jeweils Bronze für Paul Biedermann (200 Meter Freistil) und die 4 x 100 Meter Lagen, Mixed (Jan-Philip Glania, Hendrik Feldwehr, Alexandra Wenk, Annika Bruhn). Der ehemalige Schwimmer des PSV Schwerin Carl Louis Schwarz (jetzt Potsdam) erkämpfte bei seiner ersten Teilnahme an einer Elite-WM einen achtbaren 7. Rang im zweiten Halbfinale über 50 Meter Rücken.

Zu den Top-Nationen im weltmeisterlichen Schwimmbecken 2015 zählten die USA (23 Medaillen, 8 x Gold), Australien (16 Medaillen, 7 x Gold), China (13 Medaillen, 5 x Gold), Großbritannien (9 Medaillen, 5 x Gold), Ungarn (9 Medaillen, 3 x Gold), Frankreich (6 Medaillen, 4 x Gold) und Schweden (6 Medaillen, 3 x Gold).

 

Marko Michels

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